metabolisches Syndrom
Definition
Nach der neuen IDF-Definition (2005) liegt ein Metabolisches Syndrom vor, wenn der Bauchumfang bei Männern mehr als 94 cm bzw. bei Frauen mehr als 80 cm beträgt und mindestens 2 weitere der folgenden Störungen/Bedingungen vorliegen:
- Erhöhte Triglyzeridwerte
mindestens 150 mg/dl bzw. 1,7 mmol/l bzw. eine bereits eingeleitete Behandlung zur Absenkung der Triglyzeride.
- Zu niedriges HDL-Cholesterin
Männer: weniger als 40 mg/dl bzw. 1,03 mmol/l; Frauen: weniger als 50 mg/dl bzw. 1,29 mmol/l bzw. eine bereits eingeleitete Therapie zur Anhebung des HDL-Cholesterins.
- Bluthochdruck
systolisch mehr als 130 mmHg oder diastolisch mehr als 85 mmHg bzw. eine bereits behandelte Hypertonie.
- Erhöhte Nüchtern-Blutglukosespiegel
mehr als 100 mg/dl bzw. 5,6 mmol/l oder ein bereits diagnostizierter Typ 2 Diabetes.
Diese Verhaltensweise fördert das Auftreten einer typischen Zivilisationskrankheit, dem Metabolischen Syndrom.
Darunter versteht man die weitverbreitete Stoffwechselerkrankung mit einer Anhäufung von Gefäßrisikofaktoren, dessen Folge letztendlich Herzinfarkt und Schlaganfall sind, die häufigsten Todesursachen der westlichen Welt.
Übergewicht - Hochdruck - erhöhte Blutfette - Diabetes - erhöhte Harnsäure - Insulin Resistenz - Gefäßverkalkung und Herzinfarkt
Durch Ausdauertraining kann die Leistungsfähigkeit von gesunden Personen gesteigert werden, so daß diese bei Wettkämpfen ihr Leistungspotential bestmöglich ausschöpfen können. Ausdauertraining bekommt aber auch einen immer höheren Stellenwert, wenn es um die Erhaltung oder Wiedererlangung der Gesundheit geht.
Waren nach dem zweiten Weltkrieg noch weitgehende Schonung und Ruhigstellung das oberste Prinzip bei den meisten inneren Erkrankungen, so ist die Medizin heute im wahrsten Sinne des Wortes in Bewegung geraten. Gerade bei unseren modernen Zivilisationskrankheiten zu denen die koronare Herzkrankheit, also die Einengung der Herzkranzarterien, die letztlich zum Herzinfarkt führen kann, aber auch verschiedene Stoffwechselerkrankungen gehören, kommt der Bewegung ein bedeutender Stellenwert zu. Hierbei geht es einerseits um Vorbeugung, also Bekämpfung von Risikofaktoren für die Gefäßverkalkung (Arteriosklerose), andererseits ist die Bewegungstherapie aber auch ein eigenständiger therapeutischer Ansatzpunkt geworden.
Übergewicht - Auswirkungen des Ausdauertrainings nicht nur auf die Gewichtsreduktion
In der Behandlung von Übergewicht kommt der Bewegungstherapie eine wesentliche Bedeutung zu, die jedoch allzu häufig in Frage gestellt wird.
Einerseits sei der Kalorienverbrauch durch körperliche Aktivität so niedrig, daß ihr keine besondere Bedeutung zukomme, andererseits sei die Leistungsfähigkeit des Übergewichtigen so gering, daß er kaum in der Lage sei, durch mehr Bewegung eine nennenswerte Gewichtsabnahme zu erzielen.
Beide Aussagen sind zwar bedingt richtig, verlieren jedoch gänzlich an Bedeutung, wenn man Langzeiteffekt und Begleitumstände berücksichtigt. Tatsächlich ist der Energieverbrauch bei einmaliger körperlicher Anstrengung gering und daher Ausdauertraining zur raschen Gewichtsabnahme nicht geeignet. Wird Bewegung jedoch mit gewisser Regelmäßigkeit durchgeführt, ist der Summationseffekt verbrauchter Kalorien beträchtlich. Wird das Trainingsprogramm noch durch entsprechende Reduktionskost ergänzt, kann oft ein deutliches Energiedefizit (mehr Energieverbrauch als Zufuhr) und eine anhaltende Gewichtsabnahme erreicht werden.
Der kombinierte Einsatz von Ausdauertrainingsprogramm und kalorienreduzierter Diät hat neben der negativen Energiebilanz aber noch weitere Vorteile gegenüber isolierten diätetischen Maßnahmen:
So ist der günstige Einfluß auf die Körperzusammensetzung zu nennen.
Körperliches Training trägt dazu bei, nicht nur die Körpermasse insgesamt zu vermindern, sondern bevorzugt Fett zu mobilisieren und zu verbrennen, wogegen bei reinen Fastenkuren vorwiegend Muskeleiweiß abgebaut wird
Entscheidend sind auch die durch Training verursachten hormonellen Veränderungen.
Einerseits wird die Empfindlichkeit des Fettgewebes gegenüber der Ausschüttung von Streßhormonen verbessert, wodurch optimale Voraussetzungen für eine beschleunigte Fettverbrennung geschaffen werden. Andererseits steigt die Insulinempfindlichkeit, wodurch weniger Insulin - ein "Speicherhormon", das die Fetteinlagerung unterstützt - von der Bauchspeicheldrüse produziert wird.
Der durch Training verstärkte Fettabbau
ist im Gegensatz zu kalorienreduzierten Diäten von einer Steigerung des Grundumsatzes und der Wärmeproduktion begleitet. So darf also nicht nur die durch Bewegung verbrauchte Kalorienmenge ins Kalkül gezogen werden, es muß auch die nachfolgend erhöhte Stoffwechselaktivität sowie der Langzeiteffekt betrachtet werden. Gerade bei der Erhaltung des reduzierten Körpergewichts beweist die Kombination von Ausdauertraining und Diät langfristigen Erfolg.
Eine weitere Ursache dieser erfreulichen Langzeitwirkung
mag sicherlich nicht zuletzt im Absinken des Insulinspiegels im Blut und damit in der Abnahme des Appetits zu suchen sein. Die von Übergewichtigen nicht selten als Ausrede zu hörende Bemerkung, daß durch Bewegung und Sport ja noch mehr Appetit entstehe, verliert langfristig vor diesem Hintergrund sicherlich an Stichhaltigkeit. Ganz im Gegenteil scheint ein gewisses Maß an Bewegung erforderlich, um den Appetit zu regulieren.
An dieser Stelle sollte auch noch der Einfluß auf die Lebensqualität erwähnt werden.
Vermag körperliche Betätigung doch in besonderem Maße soziale Integration ebenso wie Selbstwertgefühl übergewichtiger Patienten zu verbessern und somit auch einen großen Beitrag zur Therapietreue (Compliance) zu leisten.
Ausdauertraining bei Bluthochdruck
In der Hochdruckbehandlung stehen im Prinzip medikamentöse Verfahren und Allgemeinmaßnahmen zur Verfügung, die sich auch gegenseitig ergänzen können. Bezüglich des Wirkungsmechanismus sind Ausdauertraining und Medikamente teils gleichartig. So kommt es durch Ausdauertraining beispielsweise zur Umstellung des vegetativen Nervensystems von einer sympathikotonen auf eine vagotone Reaktionslage, vergleichbar mit der Wirkung eines Betablockers - Ausdauertraining wird daher oft als natürliche Betablockade bezeichnet. Weiters ist die Verbesserung der Durchblutung in den muskulären Gefäßen durch Bewegung zu erwähnen. Der natürliche gefäßerweiternde Effekt entspricht in der Wirkung dem vieler Medikamente. Ausdauertraining unterstützt darüber hinaus die Gewichtsreduktion, eine weitere wichtige Maßnahme zur Beeinflussung des Bluthochdrucks.
Gemäß den von der Amerikanischen Hochdruckgesellschaft herausgegebenen Richtlinien wird den Ärzten empfohlen, bei der milden und mäßigen Hochdruckformen, also bei Blutdruckwerten bis 180/110 anfangs den Versuch einer Blutdrucksenkung ohne den Einsatz von Medikamenten zu unternehmen. Neben dem Ausdauertraining sollen vor allem diätetische Maßnahmen mit Kalorien- und Kochsalzrestriktion zum Einsatz kommen. Das bedeutet, dass man im Prinzip bei vielen Hochdruckpatienten zunächst ohne Medikamente zurechtkäme. Oft besteht die Behandlung jedoch im automatischen Griff zum Rezeptblock und in der Verordnung von Medikamenten. Von Hochdruckpatienten wird dies auch nicht selten gefordert, da die Einnahme eines Medikamentes naturgemäß leichter ist als die Umstellung der Lebensweise. Das heißt andererseits noch nicht, dass man dem Hochdruck in jedem Fall gewissermaßen davonlaufen kann. Es gibt sehr wohl Einschränkungen für das Ausdauertraining, nämlich dann, wenn mehrere Risikofaktoren oder andere Erkrankungen vorliegen. Aber auch in diesen Fällen gibt es bewegungstherapeutische Ansätze, da die körperliche Aktivität das Medikament zwar nicht vermeiden läßt, aber möglicherweise eine Verringerung der eingenommenen Dosis erlaubt.
Stellenwert des Ausdauertrainings für die Zuckerkrankheit
Aus der Sicht des Diabetologen kommt der Bewegungstherapie nicht nur eine Bedeutung für die positive Beeinflussung von Risikofaktoren, sondern ein hoher Eigenwert für die Behandlung erhöhter Blutzuckerwerte zu. Diät und Bewegung stellen die Grundsäulen der Behandlung des sogenannten Typ 2-Diabetikers dar. Der Typ 2 Diabetiker, im Volksmund als "Altersdiabetiker" bezeichnet, ist meistens auch übergewichtig und unempfindlich gegenüber Insulin. Hier ist körperliches Training eine wirksame Therapieoption, wobei es oft zu einer langfristigen Verbesserung der diabetischen Stoffwechselsituation kommt.
Ausdauertraining bei Störungen im Fettstoffwechsel
Bewegung vermag die diätetischen und medikamentösen Maßnahmen bei Fettstoffwechselstörungen in besonderer Art und Weise zu unterstützen und zu ergänzen. Einen deutlichen Effekt hat Ausdauertraining insbesondere auf die Senkung der Triglyzeride, und die Verbesserung des Cholesterinprofils (Verhältnis vom "guten" HDL zum "schlechten" LDL-Cholesterin).
Die meisten dieser angehäuften Stoffwechselstörungen sind gleichzeitig auch Risikofaktoren für die Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) und damit für Herz-Kreislauferkrankungen, beispielsweise Herzinfarkt. Diese Gefäßrisikofaktoren treten meist gemeinsam auf, da sie sich teilweise erheblich gegenseitig beeinflussen. So begünstigt Fehlernährung die Entstehung von Übergewicht, das Verteilungsmuster um den Bauch ist typisch für die Insulinunempfindlichkeit und führt letztendlich zur Zuckerkrankheit. Weiters sehen wir eine Fettstoffwechselstörung mit zu hohen Cholesterinwerten, eine Bluthochdruckerkrankung sowie erhöhte Harnsäurewerte. Mehrere Risikofaktoren addieren sich nicht, sie potenzieren sich, und die Wahrscheinlichkeit eines Herzinfarktes nimmt dementsprechend rapide zu.
Ausdauertraining stellt damit die umfassendste Therapieform dar,
die der Arzt gegen die bei uns am häufigsten zum Tode führenden Erkrankungen in Händen hält. Der Einsatz von Ausdauertraining einerseits zur Verbesserung des Risikofaktorprofils im Rahmen der Vorbeugung, andererseits in der Therapie macht oftmals eine Reduktion der Medikamenteneinnahme möglich. Es fragt sich demnach wirklich, warum Ausdauertraining als wichtiges therapeutisches Rüstzeug nicht mit mehr Nachdruck zum Einsatz kommt.
Übrigens: Das Metabolische Syndrom ist kein unabänderliches Schicksal, das uns „einfach so“ ereilt. Tatsächlich hat jeder weitreichende Möglichkeiten, Risikofaktoren auszuschalten und die einzelnen Komponenten des Metabolischen Syndroms durch kleine und relativ einfache (aber sehr effektive!) Änderungen des Lebensstils in den Griff zu bekommen. Hierzu gehören zum Beispiel die Umstellung der Ernährung, mehr körperliche Aktivität, das Einstellen des Rauchens und eine regelmäßige Kontrolle von Risikofaktoren. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, können verschiedene Medikamenten unterstützend eingesetzt werden.